Buch 2 – Kontrastströme

Stefan,

ich kann mich nicht mehr an den Moment erinnern als Du im Berg meiner Lieblingsbücher auf meine Gedichtbände gestoßen bist. Aber ich kann mich lebhaft an Deine Verblüffung erinnern: „DU liest Gedichte?“ Wir hatten einen Berührungspunkt unserer so verschiedenen Lebenswelten gefunden.
Seitdem lässt Du mich an Deinen Gedichten teilhaben und ab und an finde ich mich als Teil in ihnen wieder. In diesen inzwischen vielen Jahren hat sich viel in Deinem Leben getan. Doch egal was rund um Dich passiert, Stillstand kann es nicht benannt werden. Das wäre für Dich wie der Verlust der Neugier, der Verzicht auf Spannung.
Der Spiegel sind Deine Gedichte.
Auf ihm malst Du mit Worten Bilder, schaffst es Gedanken und Gefühle kurz und knapp festzuhalten. Ohne diese einzufrieren bleiben diese Momente lebendig und Du gibst ihnen die Möglichkeit, jeden Tag in einem neuen Licht zu erscheinen.
Doch Du malst nicht nur in diesen Spiegel. Manchmal suchst Du Dir eine Feder, spitzt sie zu um deutliche Worte unauslöschlich auf ihm zu fixieren. Nicht alle Facetten im Leben sind schön, hinterlassen Kratzspuren auf der Seele und sie werden nicht besser, wenn sie unter den Teppich gekehrt werden. Ignoranz ist für Dich keine Lösung, Du schaust den Problemen ins Gesicht, nennst sie beim Namen und hilfst, wo Du kannst.

Gedichte sind meine Wegbegleiter, wie Du als Freund
mal mit Witz, mal mit philosophischer Keule
heute himmelhoch jauchzend und gestern noch grau verhangen, wie der Himmel über uns
ein Hier und Jetzt voller Kontraste und trotzdem gemeinsam im Fluss
und in vielem ist unser geliebter Stuttgarter Westen greifbar.

Karin Brinker

Kontrastströme

Ein Kind von dieser Welt zu sein,
das warf stets Fragen in mir auf.
Ich sagte ja und meinte nein,
die Folgen nahm ich mit in Kauf.

Mit zwanzig schossen die Gedanken
aus völlig andrer Perspektive,
geschlossen blieben viele Schranken,
aus Verben wurden Konjunktive.

Wie all die Zeit uns weiter trägt!
Es strömten aus mir bald Kontraste,
ich spürte förmlich, „wie es sägt“,
und suchte nach der Aus-Stopp-Taste.

Die fand ich nicht, das war mein Glück,
ergriffen längst von Widersprüchen,
blieb ich bloß Teil von einem Stück,
als Ganzes unterm Strich von Brüchen.

Neuzeitgedanken

In diese Neuzeit
haben mich
meine Füße
mit Stolz getragen.

In meinen goldenen Stunden
malte ich die Mona Lisa,
so manche Treppe
zählte tausend Stufen.

Ich mag nie mehr zurück,
Ich mag nie mehr,
Ich mag nie,
Ich mag,
zurück.

Wenn dich Dunkel umgibt

Aus den Sternen
werd ich dir
eine Sonnenblume basteln.

Ans Bett
stelle ich sie dir,
damit sie dich anstrahlt,
wenn dich Dunkel umgibt.

Sieh,
dies ist deine Milchstraße
an deren Ende ich wache.

Komm,
wir werden Atome spalten,
damit die Welt
unsere Explosionen sieht.

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