Buch 3 – Stadtgestöber

Vorwort:

Ein Gedicht. Momente aus dem Leben. Gedichte von Stefan Offenbecher. So vieles kann ein Gedicht von mir sein. Ein paar Notizen am Rande, Beobachtetes, Vergessenes, Liegen-gebliebens – abgelebte Zeit in Form gebracht. Wut, Neugier und Sehnsucht, die den Stift antreibt. Meine Gedichte erzäh-len, was der Bauch mir sagt. Dieses Buch sammelt all die letz-ten Jahre auf, die zeigen, dass so vieles passiert, sich verändert und manches bleibt und bleibt und bleibt.
Stadtgestöber schaut hinter die Kulissen, kratzt an den Fassa-den, klopft manchmal an, schaut ungern weg.
Wer die Liebe nicht kennt, vermisst sie nicht. Wer sie nicht vermisst, der lebt vielleicht nicht. Und wer sie sich zu sehr wohl wünscht, steht sich selbst im Weg. So hab auch ich da-von geschrieben. Hab manches von mir fortgetrieben. Mal ungewollt, mal ohne Sinn – und frag mich wer, ja wer ich bin. Fragst Du Dich auch – von Zeit zu Zeit – dann sind wir sicher schon zu zweit.
Was Eichendörfer schrieb, ob Bachmann, Fried, Seidel und Krass – alles, was ich je las, ist Schnee von gestern, alte Zeit – doch wunderbare Ewigkeit.
Ich schreib von heute – weil auch jetzt, das heute uns mit heut verletzt. Wir leben halb schon digital – ich tu es auch, und hab schon mal. Schon dutzend Mal hab ich gedacht. Ob uns das wirklich glücklich macht?
Willkommen in des Dichters Welt. (Stefan Offenbecher)

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Die Zeit war aus

Ich hab die Zeit mir rausgenommen,
aus den Jahren gerissen,
weil die Zeit,
was war sie noch?

Sie hing mir im Kreuz
oder lief davon,
sie wusste ja nicht mal
wie spät es war.

Ach Du liebe Zeit,
sagten sie um mich herum,
obwohl sie keine Zeit,
kein bisschen Zeit noch hatten.

Jetzt hab ich Zeit,
ja Lebenszeit,
obwohl die Uhren,
die rennen noch gleich.

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Schuster bleib`

Was keiner merkte,
weil’s auf leisen Füßen kam.

Die alten Treter sind
längst abgelatscht.

Zum Schuster wegen
der neuen Sohlen?

Ob es sich lohnt?

 

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Türklopfen

Kann ich denn öffnen,
jetzt weil es rüttelt
am Fenster
und klopft an der Tür.

Soll ich dich bitten,
um Kissen, um Laken
bist du mein Atem
des nachts heut bei mir.

Zieht es denn Kreise
umrundet’s das Jahr?
Sei meine Reise
und werde mir wahr.

 

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Das mit dem Laufrad

Mein Leben hatte sich
viel zu lange
in den Laufrädern
der Email-Konten verfangen.

Bis in die Nacht
hievte ich die Sorgen
all der anderen umher.

Mir war nicht klar,
dass ich dabei
nicht nur meine Freiheit,
sondern auch
ein Leben verlor.

 

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Treffpunkt Leben

Mit dem Leben treffen,
mich nackt auf den Straßen zeigen
und in die Schaufenster steigen.

Mit der Liebe tanzen,
Dich an Häuser malen,
mit Farbe, die niemals verwischt.

Mit mir sein,
wie der Tag zur Nacht,
nicht warten,
bis irgendwer ein Licht anknipst.