Meine Veröffentlichungen

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Anfänge (Stadtgestöber)

Auf dass, die Worte,
wie sie fielen
den Boden berühren,
über den wir morgen gehen.

Zu leise war das Kind in mir,
wenn laut die Stimmen
wie Keulen mir drohten,
weil ich nicht hörte
auf des Echos Gewalt.

Doch ich muss,
denn die Welt hat
die Gesetze nicht mir,
sondern den Starken gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irdisch sein (Bordsteingespräche)

Meinem Begehren hoffe ich
Genüge getan zu haben,
wenn die Endlichkeit beschließt
nicht mehr
länger irdisch sein zu wollen.

Ohne Tränen, hoffe ich
längst alle Lieben
reingewaschen zu haben,
die mir gute Gefährten waren.

Wehmutsfrei möchte ich
meine Gedanken
über Lebensgassen
ziehen lassen,
durch die ich so gerne ging.

Bis zum Rand
mit Versöhnung gefüllt,
anstoßen
auf die längste Reise
meines
Gewesenseins.

 

 

 

 

 

 

 

kontraststrome 

Kontrastströme

Ein Kind von dieser Welt zu sein,

das warf stets Fragen in mir auf.

Ich sagte ja und meinte nein,

die Folgen nahm ich mit in Kauf.

Mit zwanzig schossen die Gedanken

aus völlig andrer Perspektive,

geschlossen blieben viele Schranken,

aus Verben wurden Konjunktive.

Wie all die Zeit uns weiter trägt!

Es strömten aus mir bald Kontraste,

ich spürte förmlich, „wie es sägt“,

und suchte nach der Aus-Stopp-Taste.

Die fand ich nicht, das war mein Glück,

ergriffen längst von Widersprüchen,

blieb ich bloß Teil von einem Stück,

als Ganzes unterm Strich von Brüchen.

 

 

 

 

 

Im Reich der Tiere_l

Gedichtebeitrag von Stefan Offenbecher

Der ewige Kuhhandel

Ein Landwirt hat ne Kuh gekauft,
die kriegt den besten Platz,
beim Zahlen hat er tief geschnauft,
doch jetzt ist sie sein Schatz.

Die Tage, Wochen zeigen schnell,
der Irrtum macht sich breit,
das Vieh ist dumm, die Milch zu hell
und trübt das Glück zu zweit.

Wut und Frust im Bauernhaus,
aus der wird Fleisch gemacht,
so endet sie als Leichenschmaus,
sie hat’s halt nicht gebracht.

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Gedichtebeitrag Stefan Offenbecher

„Späte Abendhoffnung“

Gestern betrank ich mich

irgendwo

zwischen gut bürglich –
namhalften Adressen,
Türschwellen und
wutbeschmierten
U-Bahnsteigen.

Jemand spielte sich
mit Akkordeon
die letzte Abendhoffnung
in den Beutel.

Seine Jahre sprachen
zu meinen,
und plötzlich teilten wir
Kummer und Angst.

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          Gedichtebeitrag Stefan Offenbecher

Dich atmen

Am liebsten möchte ich
Samen in deinen Garten pflanzen,
die wachsen wenn du sie pflegst.

Doch würdest du dich
beschattet fühlen,
wenn ich erst am Zaun,
später am Haus, emporranke?

Einen Traum vom Spätsommer
wollte ich dir schon erzählen,
jetzt, im Frühjahr,
wenn das Leben erwacht.

Deine wachen Augen sehe ich,
sage nichts und verstehe.

Es ist noch früh heut morgen,
doch ich atme dich schon.